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Reportage · Uhrmacherhandwerk

Dieser Chronograph beschäftigt ganz Deutschland — und niemand versteht diesen Preis

Ein Betrieb mit sechs Beschäftigten verkauft eine Stoppuhr im Edelstahlgehäuse zum Preis einer Modeuhr aus dem Kaufhaus. In Foren wird seit Monaten gestritten, ob das ein Schnäppchen oder ein Trick ist. Wir haben uns die Rechnung dahinter angesehen — Material, Arbeitszeit, Handelswege.

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Nahaufnahme eines Mannes im dunklen Anzug mit einem Chronographen am Handgelenk
Aufzeichnung einer Sendung über Verbrauchertrends: Am Ende ging es weniger um das Thema als um die Uhr am Handgelenk des Gastes.

Wer heute eine Uhr mit Stoppfunktion kaufen will, landet schnell im mittleren dreistelligen Bereich. Genau darum irritiert dieses Angebot: Gehäuse aus Edelstahl, kratzfestes Saphirglas, drei Zähler auf dem Zifferblatt — und ein Preisschild mit zwei Ziffern. Die erste Reaktion vieler Leser ist Misstrauen, und das ist verständlich.

Interessant wird es, sobald man nachrechnet. Bei einer klassisch vertriebenen Uhr fließt der größte Teil des Ladenpreises nicht in Metall und Montage, sondern in Zwischenhandel, Ladenmiete, Schaufensterdekoration und Werbebudget. Fällt diese Kette weg, bleibt eine überraschend kleine Zahl übrig.

Ein kleiner Betrieb ohne Schaufenster

Der Relieamphi Chronograph R-01 wird in einer Werkstatt mit sechs Beschäftigten montiert. Es gibt keinen Markenbotschafter, keine Anzeigen in Hochglanzheften und keine Filiale in einer Einkaufsstraße. Bezogen werden die Bauteile von denselben Fertigern, die auch Hersteller der Mittelklasse ausstatten; zusammengesetzt, reguliert und geprüft wird jedes Stück einzeln.

Der Verzicht auf den Handel ist dabei kein Marketingversprechen, sondern die eigentliche Geschäftsidee. Verkauft wird direkt, und der Preis liegt damit nahe an Material und Arbeitszeit. Mehr Erklärung braucht das vermeintliche Rätsel nicht.

Relieamphi Chronograph R-01 auf der hölzernen Werkbank einer Uhrmacherwerkstatt
Der R-01 auf der Werkbank, kurz vor der letzten Gangkontrolle.

„Bei dem Preis habe ich mit gepresstem Blech gerechnet. Als das Gehäuse offen war, lag darin ein ordentlich verbautes Werk — sauber gelagert, sauber justiert.“

Uhrmachermeister aus Sachsen, 40 Jahre im Beruf

Was an der Uhr nachprüfbar ist

Materialangaben lassen sich messen, Dichtheit lässt sich testen, Ganggenauigkeit lässt sich protokollieren. Diese sechs Punkte sind der Kern des Modells.

  1. 01

    Stoppfunktion mit drei Zählern

    Sekunden, Minuten, kleine Sekunde — plus Datumsfenster. Gangabweichung etwa eine Viertelminute im Monat, die Batterie hält rund drei Jahre.

  2. 02

    Edelstahl 316L, 40 Millimeter

    Elf Millimeter flach, teils poliert, teils satiniert. Der Werkstoff ist nickelarm im Sinne der EU-Vorgaben und damit auch für reizbare Haut geeignet.

  3. 03

    Saphirglas, innen entspiegelt

    Mohshärte 9. Türrahmen, Schlüsselbund und Autolenkrad hinterlassen keine feinen Kratzspuren, die das Glas später milchig wirken lassen.

  4. 04

    Dicht bis 5 Bar

    Handwäsche, Sommerregen, kurze Dusche: kein Thema. Die Dichtheit wird bei jedem einzelnen Gehäuse in der Druckkammer kontrolliert.

  5. 05

    Zifferblatt aus der eigenen Hand

    Feiner Sonnenschliff, einzeln aufgesetzte Indizes, thermisch gebläute Zeiger. Zwei Zifferblätter reagieren nie ganz identisch auf Licht.

  6. 06

    Band in Sekunden gewechselt

    Kalbsleder mit Alligatorprägung, pflanzlich gegerbt, dazu Federstege mit Schnellverschluss. Für den Wechsel braucht es kein Werkzeug.

Warum das Thema in Deutschland zieht

Käuferinnen und Käufer hierzulande fragen selten nach dem Logo und häufig nach dem Datenblatt. Wer im Baumarkt Schraubengrößen vergleicht, vergleicht auch bei einer Uhr Gehäusewerkstoff und Glasart. Dazu kommen die selbstverständlichen Rahmenbedingungen des deutschen Fernabsatzrechts: 24 Monate Gewährleistung und 14 Tage Widerrufsrecht, ohne dass man darüber diskutieren muss.

Relieamphi Chronograph R-01 neben der Geschenkbox mit nummeriertem Zertifikat
Ausgeliefert wird in fester Box, mit nummeriertem Zertifikat und 24 Monaten Gewährleistung.

Weshalb es Wartezeiten gibt

Sechs Paar Hände bauen in einem Monat eine überschaubare Zahl von Uhren, und ein großes Lager existiert nicht. Anfragen werden nach Eingang abgearbeitet; ist der Monat ausgebucht, verschiebt sich der Termin auf die folgende Charge. Wer die Entscheidung vertagt, findet deshalb oft eine längere Liste vor als beim ersten Lesen.

Unser Eindruck nach dem Blick in die Werkstatt: Für 89 Euro bekommt man hier keine Wunderuhr, aber ehrlich verarbeitete Technik ohne den Zuschlag, den ein bekannter Name normalerweise kostet. Genau das erklärt die Debatte — und ihre Länge.

Nahaufnahme des Relieamphi Chronographen R-01 am Handgelenk unter einer Anzugmanschette
40 Millimeter Durchmesser: präsent am Handgelenk und flach genug für die Hemdmanschette.

Jetzt verfügbar

Relieamphi Chronograph R-01 — 89 € 178 €

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